Think Europe 2012


Wir befinden uns Ende Oktober 2012 n. Chr. Alle Schüler sind von dem eisernen Willen des Lernens besetzt… alle Schüler? Nein!

Eine kleine Gruppe von unternehmungslustigen Schülern hört nicht auf, sich dem Schulgehen zu widersetzen.

Eben jene Gruppe bezeichnete Prof. Zapusek am 21.Oktober in morgendlicher Früh als „den zahlenmäßig schwachen, aber inhaltlich überaus starken Oeversee-Block“. Diese Worte sollten wohl eine Masse an Schülern suggerieren, die sich am Ostbahnhof versammelt hatte.

Doch die Furcht, dass der Bus mit den slowenisch- und kroatischen Schülern zu wenig Platz bieten könnte, hatte sich selbst für lächerlich erklärt und uns erst gar nicht befallen.

Fünf mehr oder weniger begeistert Lernende - Nicolle Wijnands [7b], Anna Renhart [8a], Judith Raiser, Sandra Rafling und der Verfasser [alle 8b] - hatten sich mehr oder weniger freiwillig als Versuchskaninchen und Versuchskaninchinnen für ein von der EU gesponsertes Projekt gemeldet. Jugendliche aus sieben Ländern, neben dem viel gerühmt und geliebten Österreich auch noch aus Kroatien, Slowenien, Tschechien, Litauen, Spanien und die Piefk… äh Deutschland, sollten sich treffen und in acht Tagen mehr oder weniger über die ungelösten Probleme von Politik und Wirtschaft diskutieren. Man besuchte also ein Seminar und Workshops unter dem Deckmantel „Europe – escaping the backyard“
Vorerst allerdings suchten wir unsere Plätze im genannten Bus, und mit uns die ebenfalls schon genannte Lehrperson, sowie eine Angestellte aus dem Europa-Haus – Graz. Sieben Österreicher machten sich also auf in tiefstes deutsches Hinterland, genauer in den Westerwald in Rheinland-Pfalz, präziser nach Bad Marienberg.
Dieses kleine Städtchen, soweit man es überhaupt so nennen darf, mit seinen rund 5600 Einwohnern beherbergt neben einem überaus bekannten Heilbad und einer wahnsinnig wichtigen Ampel auch das Europa-Haus Marienberg, in welchem wiederum die Delegationen der Nationen untergebracht waren.
Da die Hin- sowie Rückreise mit ihren geschlagenen zehn Stunden jeweils einen ganzen Tag in Anspruch nahm, blieben nach Adam Ries 6 Tage zum Diskutieren und Dilettieren. Und diese Zeit wurde auch mehr oder weniger genutzt:

Die beiden Köpfe hinter dem Seminar, Karsten Lucke und Anselm Sellen, hatten sich für den ersten Tag so genannte „ice-breaking“-Spiele überlegt, zum besseren Kennenlernen und Beschnuppern. Man feuerte sich Namen ins Kurzzeitgedächtnis und versuchte Gesichter mit diesen zu verbinden ehe sie schon wieder vor dem inneren Auge verschwanden. Man - die Österreicher - stellte fest, dass die Truppenstärke der anderen Nationen wirklich größer war als die eigene, die Spanier an dem ausbreitenden, ansteckenden Heiterkeitsfieber erkrankt waren und die Politik fürs erste hintangestellt wurde, etwas, das sich in den folgenden Tagen mehr oder weniger ändern sollte.
Der nächste Tag stand ganz im Zeichen des „Country Market“, einer Veranstaltung zu nachtschlafener Zeit, bei der jedes Land sich und seine Eigenheiten präsentieren sollte. Die anderen Nation lieferten ihre Shows mit ausgeklügelter Strategie und gut durchdachter Taktik ab, wir Österreicher ließen uns aber nicht beeindrucken und stellten frei nach dem Motto „Das Genie beherrscht das Chaos“ österreichische Gemütlichkeit und Gelassenheit dar. Ein Steirerhut, eine Fahne, Mozartkugeln und vor allem der noch unvorbereitetere Auftritt der deutschen Delegation, die ab diesem Zeitpunkt auf einmal sympathisch wurde, retteten uns vor dem Hinterhalt der Peinlichkeit und bescherten einen alles in allem lustigen Abend.
Dann wurde die Handgreiflichkeit der Politik bedrohlich schlimmer, der Würgegriff nationaler und internationaler Probleme fester. Man diskutierte in Gruppen über Probleme, gab Statements ab wie man eben jene zu lösen gedenke und erdachte Opfer, die man bereit wäre zu bringen. Das alles geschah in mehr oder weniger brüchigem Englisch, oder phasenweise auch Deutsch, und die Verständigungsschwierigkeiten hielten der Aufgeschlossenheit der Gruppe nicht stand und sich verwundernd gering.
Nachdem so mehr oder weniger anstrengende zwei Tage vergangen waren, gönnte man uns einen Ausflug nach Düsseldorf und Köln. Genauer gesagt in den Düsseldorfer Landtag, wo man sich an den runden Tisch setzte und eine Abgeordnete der Piratenpartei zum neuerlichen Diskutieren bereit stand. Anschließend machten die knapp 60 Jugendlichen Köln für vier Stunden unsicher und den McDonalds sowie Einkaufshäuser reicher.
Von den Türmen des Kölner Doms sollten wir dann unsere Ideen für den Zielspurt des Seminars mitbringen. In internationalen Gruppen wurde sowohl am Freitag als auch am Samstag an Kurzfilmen zu politisch motivierten Themen intensiv gearbeitet und diese Kleinode aduleszentiver Filmkunst wurden stolz im Rahmen einer kleinen Präsentation vorgeführt:

http://www.youtube.com/watch?v=gA2u_E9BUZQ

 

Resümee: Diese Woche ist sicher ein einmaliges Erlebnis. Man lernt neue Menschen aus verschiedenen Ländern kennen, sowie deren Probleme. Und auch wenn man konstruktive Lösungen eben jener nur peripher tangiert, so bietet sich einem eine Woche voller Spaß. Schon alleine durch die Abendbeschäftigungen, die, auch wenn sie in diesem Bericht leider keinen Platz gefunden haben, zumindest erwähnt sein sollten.

PS1: Joachim Murat, unter Napoleon I. Marschall von Frankreich und wohl einer der fähigsten Kavalleriekommandeure seiner Zeit, wurde zum Dank für seine Dienste von dem bereits angesprochenen Korsen als König von Neapel eingesetzt. Ihm wird auch folgendes Zitat zugeschrieben: „Die, die nach Erwartungen leben, werden sicher enttäuscht.“
Wir erwarteten uns nicht zu viel von diesem „youth gathering“ und wurden sicherlich, mehr oder weniger, positiv überrascht.

PS2: Unterwürfigsten und demütigsten Dank an Prof. Zapusek, der mit seiner unendlichen Weisheit unseren Geist in dunklen Stunden zu erhellen versuchte und diesen Versuch durch Spendieren eines Bie… äh einer Schorle auch tatkräftig unterstützte.

 

PS3: Gebündelte Infos zu diesem Seminar gibt es unter:

http://backyardeurope.wordpress.com/

 

Andreas Windischbacher, 8b

 
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