Hiroshima-University goes Oeversee-Gymnasium


Vielleicht hat sich der eine oder die andere der geschätzten LeserInnen gewundert, als im März und April dieses Jahres japanische Gelehrte im Haus anzutreffen waren. Das Geheimnis ist rasch gelüftet; eine Forschergruppe der Hiroshima-University besuchte ausgewählte Unterrichtseinheiten. Aber warum?
Der japanische Staat plant das Unterrichtsfach „Politische Bildung“ in den Lehrplänen der Highschools zu implementieren. Um nicht bei Null beginnen zu müssen, werden Unterrichtstunden an Schulen in Shanghai, Kanada und Österreich beobachtet, aufgezeichnet und ausgewertet.
Unsere Schule gelangte auf Initiative von Dr. Georg Marschnig [MJ 1999] in diesen Sample.
Dr. Marschnig arbeitet in der Abteilung für Geschichtsdidaktik an der Universität Graz und ist für den Grazer Raum mit der Begleitung dieses internationalen Projektes betraut. So wandte er sich an seinen ehemailgen/alten Geschichtelehrer, ob dieser – der Verfasser dieser Zeilen – bereit wäre, die japanischen Gelehrten Unterrichtsstunden beobachten zu lassen. Die Zustimmung durch unsere Frau Direktorin war ebenfalls rasch eingeholt; Anfang März fand ein erster Besuch statt, bei dem die Gäste aus Fernost in einer Schulführung durch den langjährigen Direktor des Hauses, HR Dietmar Dragarić mit der 117-jährigen Geschichte des Oeversee vertraut gemacht wurden.
Im April kamen sie dann für eine Woche wieder, die besser nicht hätte gewählt werden können:
Eine Regierungskrise, ausgelöst durch das hinreichend bekannte „Ibiza-Video“, hat unter den SchülerInnen der 5a, 5b, 6b und denen des Wahlpflichtfachs „Geschichte und Politik“ der 6. und 7. Klassen das Interesse an Politik in ungeahnte Höhen getrieben. In dieser Situation war es ein Leichtes, mit den jungen Damen und Herren über die politische Situation trefflich zu diskutieren und reflektieren.
Unsere japanischen Gäste versicherten, dass diese Hospitationen für sie eine wichtige und fruchtbare Erfahrung darstellten. Keinesfalls unerwähnt bleiben darf die Dolmetsch-Tätigkeit unserer Japanisch-Lehrerin Dr.in Kaori Sohar; ohne ihre simultanen [!] Übersetzungen wäre der Ertrag dieser Unterrichtsbesuche wahrscheinlich mit freiem Auge nicht zu messen gewesen – herzlichen Dank an dieser Stelle!
Ebenfalls zu danken ist der Gastfreundschaft unserer Frau Direktorin, die sich für die Gäste aus Nippon sehr viel Zeit nahm und diese auch mit selbstgebackenem Kuchen bewirtete, ein Zeichen der Wertschätzung, das von den Japanern durchaus als nicht selbstverständlich wahrgenommen wurde.

Vielleicht gibt’s ja im November, wenn der nächste Besuch durch die japanische Delegation stattfinden wird, wieder Kaffee und Kuchen in der Direktionskanzlei; eine neuerliche Regierungskrise muss nicht unbedingt sein.

Prof. Bernhard Zapusek-Mayer

 
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